Es gibt Fragen, die die Menschheit seit Jahrhunderten beschäftigen. Warum gibt es Kriege? Warum schmeckt Cola Light nach nichts? Und vor allem: Warum trägt jemand, der acht Stunden lang auf einem billigen Plastikstuhl hinter einer Kasse hockt und nur die Arme bewegt, um den Barcode über den Scanner zu ziehen, ein Gerät, das ihm am Abend stolz verkündet: „Herzlichen Glückwunsch! Du hast heute 1.247 Schritte gemacht!“?
Die Antwort ist so einfach wie genial: Weil der moderne Mensch ohne Daten nichts wert ist. Ein Kassierer ohne Fitbit ist wie ein Baum, der im Wald umfällt und niemand hört ihn. Ein Kassierer mit Fitbit hingegen produziert Zahlen. Und Zahlen sind heutzutage wichtiger als Würde.
Nehmen wir die typische Schicht:
- 8:00 Uhr: Armband angelegt. Das Gerät erkennt sofort: „Du sitzt.“
- 8:03 Uhr: Erster Kunde. Der Fitbit zählt die Bewegung des rechten Arms beim Durchziehen der Milch als „leichte Aktivität“.
- 12:00 Uhr: Mittagspause. Drei Schritte zur Mikrowelle. Das Armband explodiert vor Stolz und vergibt eine virtuelle Medaille „Entdecker“.
- 16:45 Uhr: Der Akku ist bei 12 %. Genau wie die Motivation.
Besonders absurd wird es bei den Geotracking-Uhren. Diese Dinger wissen jederzeit, wo man ist. An der Kasse. Immer noch an der Kasse. Immer. Noch. An. Der. Kasse. Man könnte meinen, das Gerät würde irgendwann die Nase rümpfen und fragen: „Willst du nicht mal das Gebäude verlassen?“ Stattdessen speichert es brav: „Standort: Kassenbereich Zone 3. Verweildauer: 7 Stunden 42 Minuten. Kalorienverbrauch: ungefähr so viel wie ein Faultier im Winterschlaf.“
Experten (also ich nach dem dritten Aufgusskaffee) vermuten mehrere Gründe für dieses Phänomen:
- Statussymbol der Bewegungslosigkeit
Früher hat man mit teuren Uhren gezeigt, dass man Geld hat. Heute zeigt man mit einem Fitbit, dass man Daten hat – auch wenn die Daten nur beweisen, dass man sich nicht bewegt. - Hoffnung auf den großen Schritt-Jackpot
Irgendwann, so die geheime Hoffnung, wird das Armband einen Fehler machen und 50.000 Schritte gutschreiben, obwohl man nur die Kasse geöffnet hat. Dann kann man stolz auf Social Media posten: „Neuer Rekord!“ - Vorbereitung auf den Untergang
Wenn die Zivilisation zusammenbricht, weiß wenigstens die Cloud, dass man am 11. August 2026 um 14:37 Uhr genau 14 Schritte vom Zigarettenautomaten entfernt war.
Fazit:
Menschen tragen Fitbits und Geotracking-Uhren an der Kasse nicht obwohl sie den ganzen Tag sitzen, sondern gerade deshalb. Es ist die letzte verzweifelte Geste des modernen Menschen, der sagt: „Schaut her! Ich existiere! Hier sind die Beweise in Form von Diagrammen!“
Und wenn das Armband abends vibriert und fragt „Möchtest du deine Aktivitätsziele für morgen anpassen?“, dann drückt man natürlich auf „Ja“.
Man will ja nicht aufgeben.
Ende der Durchsage.
Wer diesen Artikel gelesen hat und dabei sein eigenes Fitbit überprüft hat, hat mein Experiment erfolgreich bestätigt.
