Von Blondbabe, ooha.de – für eine bessere, möglichst absurde Welt
17. September 2026
Berlin. Ein schlichtes Wohnzimmer irgendwo im Speckgürtel. Vor der Ex-Kanzlerin steht eine Tasse mit der Aufschrift „Wir schaffen das – diesmal wirklich“. Angela Merkel hat sich bereiterklärt, ihre kürzlich getätigte Aussage „Impfen metert mehr“ einmal ausführlich zu untermauern. Wir von ooha.de waren natürlich sofort da. Denn wenn jemand Messbarkeit versteht, dann sie.
Teil 1: Warum Impfen mehr metert als Bildung
ooha.de: Frau Merkel, Sie haben gesagt: „Impfen metert mehr.“ Können Sie das bitte für unsere Leser, die noch mit dem Metermaß in der Hand stehen, erklären?
Angela Merkel: Natürlich. Schauen Sie, Bildung ist wunderbar. Man investiert, man wartet zwanzig Jahre, und dann stellt man fest: Der Lehrer hat gewechselt, der Schüler hat TikTok entdeckt, und der Output ist … schwer zu quantifizieren. Impfen dagegen: Stechen, warten, zählen. Anzahl der Dosen, Anzahl der Antikörper, Anzahl der Excel-Tabellen. Das metert. Das metert richtig. Bill hat das früh erkannt. Er hat mir gesagt: „Angela, bei Bildung weißt du nie, ob der Lehrer morgen noch da ist. Bei Impfungen weißt du am nächsten Tag, ob die Spritze sitzt.“ Und er hatte recht. Das hat gemessert. Äh, gemetert.
ooha.de: Also ist „metert mehr“ quasi der wissenschaftliche Fachbegriff für „lässt sich in PowerPoint besser darstellen“?
Merkel: Exakt. In der Politik brauchen Sie Kennzahlen. Bildung: „Die Kinder sind etwas klüger geworden, vielleicht.“ Impfen: „87,3 Prozent Durchimpfungsrate, grafisch als grüner Balken, der immer weiter nach oben wächst.“ Das überzeugt sogar afrikanische Staatschefs, denen man vorher gesagt hat, die Merkel sei dieses Jahr geizig gewesen. Mit Bildung hätten die nur mit den Schultern gezuckt. Mit Impfzahlen haben sie genickt. Messbar. Meterbar.
ooha.de: Sie haben ja im Podcast eingeräumt, Sie hätten lieber mehr in Bildung gesteckt. Ruder Sie jetzt zurück?
Merkel: Nein. Ich rudere gar nicht. Ich präzisiere. Ich hätte gerne in Bildung investiert. Aber dann hätte ich nachher dagestanden und gesagt: „Schaut her, die Kinder können jetzt ein bisschen besser lesen.“ Und Bill hätte gesagt: „Interessant. Und wie viele Millionen Dosen hast du ausgeliefert?“ Dann wäre ich klein mit Hut dagestanden. Impfen metert mehr. Das ist keine Meinung, das ist Metrologie.
ooha.de: Manche Kritiker behaupten, man könne mit der gleichen Logik auch behaupten: „Autobahnen metern mehr als Kindergärten“, weil man die Kilometer zählen kann.
Merkel: (lächelt knapp) Sehen Sie? Genau das meine ich. Kilometer sind messbar. Kindergärten … na ja. Wie viele Kinder haben heute nicht geweint? Schwer zu sagen. Bei einer Autobahn wissen Sie: 42 Kilometer fertig. Bei einem Kindergarten wissen Sie: Vielleicht hat jemand gelernt, seine Schuhe anzuziehen. Das metert weniger. Deshalb prioritisiert man eben das, was metert. Das ist rationale Politik.
ooha.de: Letzte Frage zu diesem Teil: Würden Sie heute, mit dem Wissen von 2026, noch einmal genauso auf Impfungen setzen?
Merkel: Selbstverständlich. Weil es funktioniert hat – messbar. Die Zahlen waren da. Die Grafiken waren da. Die moralische Überlegenheit war da. Und das Schönste: Man konnte abends nach Hause gehen und sagen: „Heute haben wir wieder gemetert.“ Bei Bildung geht man nach Hause und sagt: „Heute haben wir gehofft.“ Hoffnung metert nicht. Impfen schon.
Teil 2: Bei wem metert es eigentlich?
Wir waren noch nicht fertig. Nachdem Angela Merkel „Impfen metert mehr“ so überzeugend erklärt hatte, wollten wir natürlich wissen, bei wem es denn eigentlich metert. Denn messbar ist schön und gut – aber für wen?
ooha.de: Frau Merkel, eine ganz wichtige Nachfrage: Bei wem metert das Impfen denn eigentlich mehr? Bei wem genau schlägt der Meter aus?
Angela Merkel: (stellt die Tasse ab, faltet die Hände) Sehr gute Frage. Das muss man differenziert betrachten. Zuerst natürlich bei den Statistiken. Die metern am stärksten. Jede einzelne Dosis erzeugt sofort einen Datenpunkt. Der Datenpunkt geht in die Excel-Tabelle, die Excel-Tabelle geht in die PowerPoint-Folie, die PowerPoint-Folie geht in die Pressekonferenz. Das ist ein geschlossener Messkreislauf. Bei Bildung entsteht höchstens ein vages Gefühl, dass irgendwo ein Kind vielleicht etwas gelernt hat. Das fühlt man. Fühlen metert nicht.
ooha.de: Also metert es vor allem bei den Zahlen?
Merkel: Bei den Zahlen, ja. Aber auch bei bestimmten Personengruppen. Es metert besonders gut bei denen, die die Zahlen lesen. Bei Bill zum Beispiel. Bei den Stiftungen. Bei den internationalen Organisationen. Die schauen auf die Kurve und sagen: „Sieh mal, der Balken steigt.“ Das erzeugt sofort moralischen Druck und moralische Überlegenheit. Gleichzeitig. Das ist effizient.
Bei den Geimpften selbst? Nun ja… da metert es unterschiedlich. Manche merken es gar nicht. Andere merken es sehr. Aber das Individuelle ist schwer zu aggregieren. Deshalb schauen wir lieber auf die Gesamtzahl. Die Gesamtzahl metert immer. Auch wenn der Einzelne manchmal fragt: „Was genau wurde hier eigentlich gemessen?“
ooha.de: Und bei wem metert es eher weniger?
Merkel: Bei den Unentschlossenen. Bei denen, die Fragen stellen. Bei den Lehrern, die sagen: „Könnten wir nicht auch mal in Bildung stecken?“ Die metern schlecht. Die erzeugen Diskussionsbedarf. Diskussionsbedarf ist das Gegenteil von Messbarkeit. Deshalb hat man sich auf das konzentriert, was klar und sauber metert: die Dosis, der Termin, die Quote.
ooha.de: Zusammengefasst: Es metert am besten bei denjenigen, die die Messgeräte bedienen?
Merkel: (nickt ernst) Man könnte es so sagen. Die, die die Meter in der Hand halten, sehen den Fortschritt am deutlichsten. Die anderen… die sollen sich freuen, dass überhaupt gemessen wird. Das ist schon ein Fortschritt an sich.
Damit war die Sache klar. Impfen metert mehr – vor allem bei den richtigen Leuten. Bei den Zahlen. Bei den Stiftungen. Bei den Folien.
Bei den Menschen? Das ist, wie gesagt, schwerer zu quantifizieren.
Blondbabe
ooha.de – für eine bessere, möglichst absurde Welt

Eigene Satire einreichen? Zur Community →






„Impfen metert mehr“ – endlich eine Einheit, die das BAMF verstehen wrde.
Meterweise Vertrauen. Punkte gab’s leider keine.