Berlin (ooha Satire) – Birka hat eine Solaranlage auf dem Dach. Birka glaubte einmal, das sei eine gute Idee. Heute weiß Birka mehr.
Die Anlage muss gewartet werden. Nicht ab und zu. Ständig. Module verschmutzen innerhalb weniger Monate so stark, dass der Ertrag einbricht. Wechselrichter sterben planmäßig. Stecker korrodieren. Unterkonstruktionen lockern sich. Dichtungen werden porös. Jedes Mal kommt jemand mit Leiter, Werkzeug und einer Rechnung, die sich anfühlt wie eine zweite Hypothek. Die Kosten für Wartungsverträge explodieren und kosten inzwischen mehr als die jährliche Einspeisevergütung.
Teile gehen kaputt. Garantien laufen aus, genau wenn die ersten teuren Komponenten versagen. Ersatzmodule haben das Format geändert. Man muss umbauen, Adapter kaufen, die Statik neu berechnen lassen. Der Elektriker schüttelt den Kopf und schreibt den Betrag €1296 auf einen Zettel. Birka stockt der Atem.
Die Hausversicherung explodiert. Weil auf dem Dach jetzt „eine technische Anlage mit erhöhtem Brand- und Sturmisiko“ montiert ist. Der Versicherungsvertreter strahlt und erhöht die Prämie um €402 pro Jahr. Zusätzliche Klauseln. Höhere Selbstbeteiligung. Und die klare Ansage: Bei einem Schaden durch die Anlage selbst wird es kompliziert.
Steuern und Abgaben stapeln sich. Auf die Module. Auf das Glas. Auf den erzeugten Strom. Neue Positionen erscheinen auf dem Steuerbescheid, als hätten sie schon immer dazugehört. Mal heißen sie Solarabgabe, mal Glassteuer, mal Netzstabilitätsumlage. Die Solaranlage produziert Strom – und gleichzeitig eine wachsende Liste von Kostenstellen.
Die Überraschungseffekte reißen nicht ab: Der Netzbetreiber senkt die Einspeisevergütung rückwirkend. Der intelligente Zähler muss ausgetauscht werden – auf Birkas Kosten. Das Dach braucht eine Statik-Nachprüfung, weil die Tausch-Module schwerer sind als gedacht. Der Nachbar klagt wegen Blendung. Ein Sturm beschädigt zwei Module, die Versicherung zahlt nur einen Bruchteil. Alles kostet. Nichts kommt rein. Die Amortisationsidee ist längst zum generellen Überlebenskampf mutiert.
Und dann ist da noch das Wetter. Bei Hagelwarnung bleibt Bkrka, 70, nichts erspart: Mit wackligen Knien, einer Plane unter dem Arm und der leisen Hoffnung, nicht abzurutschen, kraxelt sie selbst aufs Dach. Die teuren Schutzsysteme, die der Installateur damals erwähnt hatte, waren „optional“ und hätten die Amortisationszeit noch weiter nach hinten geschoben. Also turnt Birka bei schlechter Wetterlage über die Module, während der Hagel bereits in der Ferne zu hören ist. Die Solaranlage verlangt nicht nur Geld. Sie verlangt auch persönlichen Einsatz. Bis ins hohe Alter.
Während Birka noch versucht, die nächste Rechnung zu verstehen, stehen die nächsten Technologien bereits in den Startlöchern. Mini-Atomreaktoren in Schuhkartongröße. Sauber, leise, platzsparend, wetterunabhängig und serienreif. Ein Gerät, das kleiner ist als der Sicherungskasten und jahrzehntelang zuverlässig Strom liefert – ohne Wartungsorgien, ohne Korrosion, ohne jährliche Versicherungsdiskussionen. Birkas Solaranlage wird dann aussehen wie ein Faxgerät neben einem I-Phone 17.
Birka wird das nicht mehr stemmen. Die Amortisation schon gar nicht. Mit 95, kurz vor ihrem Ableben, wird ihr noch eine letzte, ungeschönte Abschlussrechnung zugestellt. Darauf stehen: Restwartungskosten, Demontagegebühr, Entsorgungskosten für die alten Module, eine Nachzahlung für nicht korrekt abgeführte Solarabgaben und die Feststellung, dass die Anlage über die gesamte Laufzeit zum finanziellen Totalschaden geführt hat. Die Solaranlage hat bis zum Schluss Geld verbraucht.
