ooha Satire – 9. September 2026
Mein neues Haustier bei der Arbeit: Gestern Kirschbaum, heute Empfangskomitee an der Eingangstür.
Was für andere Menschen eine harmlose gelbe Raupe ist, wurde bei mir über Nacht zum festen Familienmitglied. Gestern noch erkundete es den Kirschbaum. Heute stand es an der Eingangstür und begrüßte mich, als wäre ich der Postbote mit dem Lieblingsblatt.
Die Rede ist von einer leuchtend gelben, extrem flauschigen Raupe des Buchen-Streckfußes (Calliteara pudibunda), auch bekannt als Pale Tussock oder Buchenrotschwanz. Sie sieht aus wie ein lebendiges Mini-Toupet mit einem kleinen roten Pinsel am Hinterteil. Genau so, wie man sich ein Haustier vorstellt, das man nicht streicheln sollte – aber trotzdem will.
Der Tagesablauf eines modernen Garten-Haustiers
- Gestern: Große Erkundungstour am Kirschbaum. Blätter wurden gründlich inspiziert, einige probeweise angeknabbert. Klassischer Teenager-Move: „Ich geh mal raus und schau, was die Welt so zu bieten hat.“
- Heute: Empfangskomitee an der Haustür. Kein Bellen, kein Miauen – nur stilles, gelbes Starren. Als wollte es sagen: „Wo warst du so lange? Der Kirschbaum war okay, aber hier drin ist es gemütlicher.“
Experten (also ich nach fünf Minuten Google) bestätigen: Die Raupe ist polyphag, frisst also alles Mögliche an Laubgehölzen – Buche, Hainbuche, Eiche, Hasel, Apfel und eben auch Kirsche. Im Herbst wandert sie gerne umher, auf der Suche nach einem schönen Platz zum Verpuppen. Dass sie dabei ausgerechnet vor meiner Tür stehenbleibt, ist entweder reiner Zufall oder der Beginn einer tiefen Freundschaft.
Wichtige Hinweise für alle, die jetzt auch ein flauschiges Haustier adoptieren wollen
Die Haare sind meist ungefährlich, können aber bei empfindlicher Haut leichten Juckreiz auslösen. Also: schauen ja, knuddeln nein. Und bitte nicht ins Haus holen – die Nachbarn verstehen das möglicherweise falsch, wenn man abends stolz mit einer Raupe auf der Schulter spazieren geht.
Ob aus dem gelben Wollknäuel irgendwann ein grauer Nachtfalter wird, der nachts gegen die Fenster klopft, bleibt abzuwarten. Bis dahin genieße ich die stille Gesellschaft. Mein neues Haustier stellt keine Ansprüche, hinterlässt keine Haare auf dem Sofa und begrüßt mich zuverlässig an der Tür.
Willkommen in der Familie, kleiner Streckfuß.
Du bist das beste Haustier, das wir jemals hatten.

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