Es war ein ganz normaler Mittwoch in Berlin, bis Lars Klingbeil Instagram öffnete und mit der Wucht eines Mannes, der zu viel Zero getrunken hat, in die Tasten hämmerte: „Zuckersteuer auf Zero und Co? NEIN!“
Damit war es offiziell. Der Finanzminister hatte gerade seine eigenen Beamten öffentlich vorgeführt – jene fleißigen Leute, die in einem geheimen Eckpunktepapier allen Ernstes vorgeschlagen hatten, auch Cola Zero, Hafermilch und andere unschuldige Süßstoff-Opfer mit 26 Cent pro Liter abzukassieren. Man stelle sich vor: Eine Steuer auf Getränke, die null Zucker enthalten. Das ist ungefähr so logisch wie eine Maut für Fahrräder, obwohl sie nicht auf die Autobahn dürfen.
Klingbeil, selbst bekennender Zero-Trinker, rettete in letzter Sekunde seine Lieblingsbrause, die ihm eigentlich kostenlos auf den Tisch gestellt wird. Die richtige Zucker-Cola darf ab 2027 brav bezahlt werden (26 bis 38 Cent pro Liter, gestaffelt nach Süße), die Zero-Version bleibt billiger. „Was keinen Sinn ergibt, machen wir nicht“, ließ er sinngemäß verlauten. Man könnte auch sagen: Was dem Minister persönlich schmeckt, machen wir erst recht nicht.
Die Szene hat etwas Tragikomisches. Da sitzen die Fachleute monatelang über Tabellen und Gesundheitsstudien, rechnen Kinderübergewicht und Krankenkassenlöcher zusammen – und dann kommt der Chef, nimmt einen Schluck aus der Zero-Flasche und sagt: „Nee. Die doch nicht.“ Plötzlich war die Steuer kein reines Gesundheitsprojekt mehr, sondern eine Frage des Geschmacks.
Natürlich bleibt die eigentliche Zuckersteuer stehen. Die originale Cola, der Eistee mit Zucker, die Limo – die dürfen kosten. Für die Kinder. Für das Gesundheitssystem. Für die gute Sache. Nur die Zero-Fraktion, zu der sich der Minister stolz zählt, darf weiter ungestraft blubbern. Man nennt das wohl „zielgenaue Politik“.
Die Industrie schäumt, die Gesundheitsverbände nicken vorsichtig, und irgendwo in einem Ministerium sitzt jetzt ein Beamter, der sein Eckpunktepapier zerknüllt und leise flucht: „Hätten wir doch einfach nur die normale Cola genommen…“
Am Ende hat Klingbeil bewiesen, was wirklich zählt in der deutschen Steuerpolitik: Nicht der Zuckergehalt. Nicht die Wissenschaft. Sondern ob der Minister selbst davon betroffen wäre. Und solange seine Zero-Flasche unangetastet bleibt, kann der Rest der Republik ruhig ein bisschen teurer werden.
Prost, Herr Minister. Auf die Zero-Freiheit.
