In einem beispiellosen Jahrhundertprojekt befreien die Menschen die Erde systematisch von ihrem unterirdischen Ballast – dem Erdöl. Seit rund 160 Jahren saugen, pumpen und verbrennen wir dieses zähe Zeug aus der Kruste. Ergebnis: Die Erde kann endlich wieder richtig atmen.
Bisher haben wir schätzungsweise 240 bis 270 Kubikkilometer Öl aus dem Untergrund geholt. Das klingt nach wenig? Rechnen wir es mal in World-Trade-Center-Volumen um: Ein einzelner Twin-Tower des ursprünglichen World Trade Centers fasste rund 1,65 Millionen Kubikmeter. Unser gesamtes gefördertes Öl entspricht damit dem Volumen von etwa 145.000 bis 164.000 solcher Türme. Oder anders gesagt: über 70.000 komplette Twin-Towers-Paare. Ein ganzes Hochhaus-Meer aus Öl, das wir der Erde liebevoll abgenommen haben.
Die Kernaussage ist simpel und ergreifend: Die Menschheit führt ein Jahrhundertprojekt durch, um die Erde vom Öl zu befreien. Die porösen Gesteine, Sandsteine und Karbonate waren jahrelang verstopft, unter Druck, klebrig und unfrei. Wir haben den Absauger angesetzt, den Druck gesenkt und die Kruste durchlüftet. Keine chronische Verstopfung mehr! Die Erde atmet auf, streckt sich und bedankt sich mit günstigem Treibstoff und einer angenehm warmen Atmosphäre.
Das Verbrennen ist dabei der krönende Abschluss: Wir transportieren den Ballast nach draußen, wo er als CO₂ und Wasserdampf der Atmosphäre guttut – quasi eine natürliche Wellnesskur für den Planeten. Kritiker jammern von Hohlräumen und Subsidenz? Quatsch. Es entstehen nur schön belüftete Porenräume. Die Erde wird leichter, freier und glücklicher.
Weiter so! Jeder getankte Liter, jeder Flug und jeder Plastikartikel ist ein Beitrag zum großen Befreiungsprojekt. In ein, zwei weiteren Jahrhunderten ist die Kruste vielleicht endgültig ölfrei. Dann kann die Erde endlich tief und erleichtert durchatmen.
Die Ooha-Redaktion empfiehlt: Tankt voll und denkt bei jedem Abgas an die erleichterte Mutter Erde, die uns für dieses Jahrhundertprojekt ewig dankbar sein wird.
OOHA ist Satire.
