Berlin (ooha Satire) – Ich stehe da. Mit drei riesigen schwarzen Müllsäcken, die ich von draußen mitgebracht habe. Die Dinger sind so groß, dass sie fast mein gesamtes Sichtfeld ausfüllen. Und vor der Eingangstür meines berliner Mietshauses: er.
Der Hausmeister. Mitte 40, drahtig wie ein ausgeleierter Fahrradschlauch, frisch vom Berber-Shop mit einem Fade so scharf, dass man sich daran schneiden könnte. Der Duft von Aftershave hängt noch in der Luft. In der rechten Hand die E-Zigarette (Wolke so dicht, dass ich die Hausnummer nicht mehr sehe), in der linken eine Cola Light, die er hält, als wäre es ein heiliges Relikt. Hinter ihm der weiße Ford Transit Connect – makellos, stationiert, nicht geparkt. Der Blick sagt klar: „Versuch es. Ich bin schon wach. Und mein Fade ist teurer als deine Monatsmiete.“
Ich will nur zum Müllraum. Mit meinen drei riesigen schwarzen Säcken, die offiziell gar nicht existieren dürften. Stattdessen stehe ich vor einem lebenden Schießhund mit Transporter-Backup.
Hier meine drei improvisierten Überlebensstrategien, live vom Bürgersteig:
- Der kurze, knappe Vorbeimarsch
Ich mache ein knappes „Tach“, nicke und versuche, an ihm vorbeizukommen. Die drei riesigen schwarzen Säcke schleife ich möglichst unauffällig hinter mir her. Funktioniert bei den meisten Hausmeistern. Bei diesem Exemplar (frisch frisiert, Cola Light, E-Zigarette, Transporter) steigt das Risiko, dass der Blick intensiver wird und die Wolke mich langsam einhüllt. Geschwindigkeit ist alles. Bonus: Die Säcke so halten, dass sie möglichst klein wirken – was bei dieser Größe natürlich unmöglich ist. - Der lockere Smalltalk-Versuch
„Cola Light und Dampfer – klassische Pause, was? Und der Fade sitzt heute besonders gut.“
Ich teste es. Kann entwaffnend wirken. Kann aber auch dazu führen, dass er sich noch bequemer hinstellt, die Cola Light hochhebt wie einen Pokal und die nächste Viertelstunde über die richtige Art, Müll zu trennen, referiert – während die drei riesigen schwarzen Säcke neben mir langsam warm werden. Bei einem 40-jährigen, drahtigen Berber-Kunden mit Transporter eher riskant. Hohe Wahrscheinlichkeit, dass er am Ende fragt, ob ich den Müll wirklich von draußen mitgebracht habe. - Die direkte, höfliche Konfrontation
„Entschuldigung, darf ich kurz vorbei zum Müllraum?“
Das ist mein stärkster Move. Die meisten Schießhunde rücken dann von selbst zur Seite – auch wenn sie dabei demonstrativ an der E-Zigarette ziehen, die Cola Light etwas höher halten und den Fade nochmal mit der freien Hand nachjustieren. Achtung: Manche antworten nur mit einem langen Blick und einem leisen „Hmh“. Das gilt als Genehmigung. Meine drei riesigen schwarzen Säcke und ich warten gespannt.
Update von der Front: Er dampft weiter. Der Fade glänzt noch (Berber-Garantie: 48 Stunden Halt). Der weiße Transit Connect wirkt zufrieden und hat inzwischen sogar die Motorhaube leicht geöffnet – vermutlich zur Belüftung. Meine drei riesigen schwarzen Müllsäcke stehen derweil im Treppenhaus und warten auf bessere Zeiten.
OOHA, Müll. Für eine bessere Welt.
