Quelle: Wikimedia Commons, File:Elif Eralp 2026.jpg
OOHA Satire – für eine bessere, möglichst absurde Welt
21. September 2026
Die Wahlzahlen stimmen, alles andere – Wertungen, Zitate, Wahrscheinlichkeiten – ist Satire.
Berlin hat gewählt. Die Linke unter Elif Eralp hat mit 25,7 Prozent einen historischen Sieg eingefahren – mehr als verdoppelt gegenüber 2023, klar vor CDU (18,8 %), AfD (16,3 %), Grünen (14,3 %) und einer traumatisierten SPD (12,1 %). Die bisherige schwarz-rote Regierung ist Geschichte. Und plötzlich steht eine 45-jährige Juristin mit türkischen Wurzeln, goldener Mietendeckel-Kette und dem Slogan „Ein anderes Berlin ist möglich“ vor dem Roten Rathaus.
Elif Eralp, geboren 1981 in München als Tochter sozialistischer Gewerkschafter, die nach dem türkischen Militärputsch 1980 flohen, ist der Überraschungsstar der Stunde. Aufgewachsen in München, Dortmund und Hamburg, Jura-Studium mit Prädikat, Referendariat inklusive Stationen beim UNHCR und in Kanada. 2010 nach Berlin, jahrelang Rechtspolitik-Referentin der Bundestagsfraktion, 2017 Parteieintritt (nach dem AfD-Schock), seit 2021 im Abgeordnetenhaus, stellvertretende Fraktionschefin, seit 2025 stellvertretende Landesvorsitzende. Und jetzt Spitzenkandidatin, die die Linke personalisiert, Haustürwahlkampf gemacht und sich von einem Mamdani-Coach beraten lassen hat. „Wir haben Geschichte geschrieben, Freunde“, rief sie auf Türkisch in den Festsaal Kreuzberg. Love and justice über Hass – und die Mieten.
Chancen fürs Rote Rathaus: Hoch, aber mit Stolperfallen
Die arithmetische Mehrheit für Rot-Grün-Rot (Linke + Grüne + SPD) ist da. Die Grünen wollen „progressive Verantwortung übernehmen“. Die SPD, historisch abgestraft, signalisiert, dass man den Wahlsieger „tolerieren“ müsse – und will natürlich weiterregieren. Eralp selbst will ab Tag eins an die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne (Volksentscheid 2021) und einen Mietendeckel. „Wenn die Linke an die Regierung kommt, wird vergesellschaftet.“
Doch drei Hürden stehen im Weg:
- Die Enteignungsfrage. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hat klar gemacht: Mit der SPD keine Vergesellschaftung. Die Grünen sind halbherzig dafür, ihre Anhänger oft dagegen. Kompromiss oder Koalitionsbruch?
- Antisemitismus-Vorwürfe. SPD und Grüne verlangen klare Bekenntnisse. Die Linke hat in der Vergangenheit immer wieder mit dem Thema zu kämpfen gehabt – intern und extern.
- Die eigene Basis. Sonderparteitag, Mitgliederentscheid über den Koalitionsvertrag. Nicht alle Genossen wollen regieren, manche wollen lieber „Bewegung“ bleiben.
Prognose im OOHA-Stil: 60–70 Prozent Wahrscheinlichkeit, dass Eralp Regierende Bürgermeisterin wird. Berlin mag Chaos, hohe Mieten und progressive Experimente. Eine türkischstämmige Linke als erste Frau mit Migrationshintergrund an der Spitze? Passt zur Stadt wie Döner zum Feierabendbier. Wenn es scheitert, wird es an den üblichen Berliner Koalitions-Ritualen liegen: monatelanges Gezerre, Kompromisse, die niemand mag, und am Ende ein Senat, der weiter regiert, als wäre nichts gewesen.
Zugehörigkeit zum deutschen Einheitsparteiklüngel: Die Wahrscheinlichkeit
Jetzt zum Kern der Frage: Gehört Die Linke zum „deutschen Einheitsparteiklüngel“ – also dem Kartell der etablierten Parteien, die sich angeblich die Posten, Medien und den Staat untereinander aufteilen, während das Volk draußen bleibt?
Der Begriff „Kartellparteien“ stammt aus der Politikwissenschaft (Katz/Mair) und beschreibt Parteien, die mit dem Staat verschmelzen, Ressourcen teilen und neue Konkurrenz abwehren. Die AfD hat ihn populistisch umgemünzt und wirft ihn fast allen anderen vor – inklusive der Linken.
Faktenlage:
- Die Linke ist Nachfolgerin der SED/PDS. Sie war jahrzehntelang Außenseiterin, wird in Teilen vom Verfassungsschutz beobachtet (Kommunistische Plattform etc.), will NATO verlassen, EU umbauen und Kapitalismus überwinden.
- Sie hat aber längst systemisch mitgespielt: Regierungsbeteiligung in Thüringen (Ramelow), Berlin (früher), Koalitionsverhandlungen, Fraktionsstatus, öffentliche Gelder, Betriebsräte, verdi-Tarifkommission.
- In Berlin 2026 hat sie sich als „seriöse“ Alternative positioniert: Fokus auf Mieten statt Weltrevolution, Haustürwahlkampf statt reiner Parolen, personifiziert um eine Juristin statt um die alten Kader.
- Sie grenzt sich vom BSW ab und will mit SPD/Grünen regieren – also mit den klassischen Klüngel-Partnern.
Wahrscheinlichkeit, dass sie dem Klüngel zugehört: 65–75 Prozent.
Warum? Weil jede Partei, die langfristig im Parlament sitzt, Posten verteilt, Steuergeld bekommt und Koalitionen schmiedet, irgendwann Teil des Systems wird. Die Linke schreit „System Change“, während sie das System mitverwaltet – und das ist der klassische Klüngel-Trick: Opposition als Marke, Mitspielen als Praxis. Die SED war die ultimative Einheitspartei. Die PDS/Linke hat daraus gelernt, plural und parlamentarisch zu werden, ohne den Staat wirklich in Frage zu stellen. Wenn Eralp jetzt ins Rote Rathaus einzieht und mit SPD und Grünen „bezahlenbares Wohnen“ organisiert, wird sie nicht die Revolution ausrufen – sie wird den Berliner Alltag managen. Genau wie alle anderen.
Andererseits: 25–35 Prozent Chance, dass sie (noch) draußen steht. Die radikalen Flügel, die Enteignungsobsession und die Ablehnung durch Teile des Establishments halten sie etwas auf Distanz. Aber sobald sie regiert, sinkt diese Quote rasant.
Fazit für OOHA-Leser
Elif Eralp ist das Gesicht einer Linken, die es geschafft hat, in der Hauptstadt relevant zu werden, ohne komplett unsexy zu wirken. Sie könnte Berlin tatsächlich ein bisschen roter und mietenfreundlicher machen – oder im üblichen Koalitionsbrei versinken. Ob Die Linke dem Einheitsparteiklüngel angehört? Sie ist der linke Flügel davon: laut, moralisch aufgeladen, systemkritisch im Ton, systemstabilisierend in der Praxis.
Ein anderes Berlin ist möglich. Ob es besser wird, entscheidet sich in den nächsten Wochen in den Sondierungsgesprächen. Bis dahin: Mietendeckel-Kette an, Döner holen und abwarten, ob das Rote Rathaus wirklich rot wird – oder nur ein bisschen rötlicher als vorher.
Für eine bessere, möglichst absurde Welt.
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Endlich rot, und trotzdem grau. Berlin kann eben beides gleichzeitig.
Wenn „historischer Sieg“ dreimal im ersten Absatz steht, ist Satire die einzige korrekte Lesart.
Die Linke verdoppelt sich, mein Dönerpreis auch. Kausalität unklar, Pointe klar.