Es gibt Politikerinnen, die nach einem Rückschlag still in die zweite Reihe treten.
Und es gibt Sahra Wagenknecht.
Während normale Menschen nach einer politischen Blamage erstmal drei Tage den Router neu starten, geht Wagenknecht in die Offensive. Die Thüringer Scharte – also das leichte Missverständnis zwischen Bundespartei und Landesverband, das kleine Koalitions-Desaster und die Tatsache, dass ihre eigenen Leute vor Ort nicht immer das machen, was die Zentrale will – wird jetzt mit aller Macht ausgewetzt.
Mit der Eleganz einer Frau, die schon mehrmals die politische Seitenlinie verlassen hat, um dann doch wieder auf dem Platz zu stehen, fordert sie Gespräche, überparteiliche Lösungen und den Rücktritt von Leuten, die sie eigentlich mitgetragen hat. Sie bietet Höcke das Duell an, lehnt gleichzeitig dessen Angebot ab und erklärt der eigenen Partei, wie man richtig regiert, ohne selbst vor Ort zu sein.
Das ist keine Verzweiflung.
Das ist strategische Brillanz auf höchstem Niveau.
Andere hätten nach dem Thüringer Chaos gesagt: „Vielleicht war das mit der Regierungsbeteiligung doch etwas voreilig.“
Wagenknecht sagt: „Wir brauchen einen neuen Ministerpräsidenten. Und zwar einen, der zu mir passt. Auch wenn er noch nicht geboren ist.“
Besonders bewundernswert ist die Konsequenz:
Wer die Brandmauer kritisiert, darf trotzdem darauf bestehen, dass man sie nur an den Stellen einreißt, die einem selbst nutzen. Wer die eigene Landesgruppe nicht unter Kontrolle hat, erklärt einfach die Bundesebene für alleinzuständig. Und wer in Thüringen gerade nicht weiterkommt, macht einfach in Sachsen-Anhalt weiter, als wäre nichts gewesen.
Das, liebe Leser, ist Führungsstärke.
Fazit:
Sahra Wagenknecht beweist einmal mehr, dass echte politische Größe darin besteht, jeden Rückschlag so lange umzudeuten, bis er wie ein kluger Schachzug aussieht.
Die Thüringer Scharte wird nicht verheilt.
Sie wird zur Heldengeschichte umgeschrieben.
Ende der Durchsage.
Wer jetzt noch zweifelt, hat den Genius einfach nicht verstanden.
