Es war nur eine Frage der Zeit.
Nachdem die Hitze bereits Ernten, Gletscher und die Laune der Nation ruiniert hat, ist sie jetzt endgültig in der letzten Bastion der deutschen Zivilisation angekommen: der Bürokratie.
Berichte aus Rathäusern, Finanzämtern und Zulassungsstellen häufen sich:
- Formulare der Marke „Antrag auf Genehmigung der Genehmigung“ kleben bei Temperaturen über 32 Grad aneinander und sind nur noch mit Spachtel lösbar.
- Stempelkissen trocknen aus. Beamte greifen notgedrungen zu Kugelschreibern – was in manchen Ämtern als stiller Protest gewertet wird.
- Die berühmte „Bearbeitungszeit von 6–8 Wochen“ hat sich auf 9–12 Wochen verlängert, weil die Sachbearbeiter im Energiesparmodus arbeiten (Dienstschluss wird mental bereits um 11:47 Uhr eingeleitet).
- In einem besonders schweren Fall in Nordrhein-Westfalen ist ein kompletter Aktenordner „Bauantrag Einfamilienhaus“ zu einer unförmigen Papp-Skulptur verschmolzen. Der Bauherr wurde aufgefordert, den Antrag „in stabilerer Form“ erneut einzureichen.
Besonders dramatisch: Die klassische deutsche Lösung – „Wir richten einen Arbeitskreis ein“ – funktioniert bei dieser Hitze nicht mehr. Die Teilnehmer erscheinen entweder gar nicht oder nur mit Nackenventilator und fordern Klimaanlage als Voraussetzung für weitere Beratungen.
Experten (also Leute, die noch nie in einem Amt waren) fordern bereits Notstandsgesetze:
Digitale Anträge bei Temperaturen über 30 Grad, Stempel aus Silikon und eine neue DIN-Norm für hitzebeständige Formulare.
Fazit:
Die deutsche Bürokratie galt lange als unzerstörbar.
Jetzt schmilzt sie.
Buchstäblich.
Ende der Durchsage.
Wer in den nächsten Wochen einen Antrag stellen muss, sollte ihn vorher in den Kühlschrank legen.
