Lange Zeit galt die Deutsche Bahn als Symbol für das Scheitern. Verspätungen, Ausfälle, Schienenersatzverkehr mit Bussen, die älter sind als der Bundeskanzler. Doch das war nur die rohe, ungeschliffene Phase. Ab dem Fahrplanwechsel 2027 wird aus dem Chaos ein verpflichtendes Erziehungsprogramm: das Erduldungsprogramm.
Wer ein Ticket kauft – egal ob Sparpreis, Flexpreis oder das Deutschlandticket – willigt automatisch und unwiderruflich in das Programm ein. Das steht klein gedruckt auf Seite 17 der neuen AGB, direkt unter dem Punkt „Umgang mit wilden Tieren im Großraumwagen“.
Herzstück ist die nagelneue App „DB Erduldung“. Sie muss vor Fahrtantritt geöffnet und mit der Payback-Karte verknüpft werden. Ab diesem Moment misst die App kontinuierlich den emotionalen Zustand des Fahrgasts:
- Seufzer pro Minute
- Häufigkeit des Blickes auf die Anzeigetafel
- Intensität des inneren Fluchens (über Mikrofon und KI erkannt)
- Verweildauer in der Stufe „stille Verzweiflung“
Je länger und würdevoller man die Verspätung erträgt, desto mehr „Erduldungspunkte“ sammelt man. Diese werden direkt auf das Payback-Konto gutgeschrieben. Bei besonders vorbildlichem Verhalten – zum Beispiel 78 Minuten bewegungsloses Starren auf ein leeres Gleis ohne einmal „Was zur Hölle?“ zu flüstern – können sogar reale Prämien freigeschaltet werden. Aktuell im Programm:
- 1.500 Punkte = eine Tasse Kaffee (lauwarm, Bordbistro)
- 2.800 Punkte = zwei Tassen Kaffee
- 5.000 Punkte = ein Gutschein für ein Brötchen, das aussieht, als hätte es den Krieg gesehen
Wer hingegen ungehalten reagiert, Punkte abzieht oder die App schließt, wird automatisch in die nächsthöhere Verspätungsstufe hochgestuft. Das System lernt schließlich mit.
Die Bahn spricht von einem „ganzheitlichen Ansatz zur Stärkung der gesellschaftlichen Resilienz“. Psychologen der Bahn (neu eingestellt, vorher bei einer Achtsamkeits-App tätig) betonen, dass nur der Mensch, der gelernt hat, 94 Minuten auf einem kalten Bahnsteig in Hamm zu stehen, ohne die Fassung zu verlieren, wirklich bereit für das 21. Jahrhundert ist.
Fazit:
Ab 2027 ist Unpünktlichkeit keine Schwäche mehr. Sie ist ein verbindliches Bildungsprogramm mit Payback-Anbindung.
Und wer dann immer noch pünktlich ankommen will, hat die Lektion einfach noch nicht verstanden – und bekommt auch keinen Kaffee.
Ende der Durchsage.
Wer diesen Artikel auf einem bereits verspäteten Zug gelesen hat, darf sich die ersten 200 Erduldungspunkte selbst gutschreiben. Die App wird das überprüfen.
