Es war einmal ein Kühlschrank. Nicht irgendein Kühlschrank, sondern ein Kühlschrank aus dem Jahre 2003, der damals noch stolz „No-Frost“ auf dem Aufkleber trug. Heute trägt er nur noch Schimmel und die leise Verzweiflung seines Besitzers.
Als ich gestern Abend die Tür öffnete, um mir ein abgelaufenes Joghurt zu holen (Haltbarkeitsdatum: 14. März 2011 – „best before“ ist sowieso nur eine Erfindung der Pharma-Industrie), sprang mir plötzlich ein kleines grünes Wesen entgegen. Es war kein Alien. Es war auch kein Gremlin. Es war einfach nur der Geruch von vergessenem Blumenkohl, der sich über die Jahre zu einer eigenen Lebensform entwickelt hatte.
Die Wissenschaft schweigt zu diesem Phänomen. Die Medien schweigen. Nur ich schweige nicht. Denn ich habe Beweise:
- Der Kühlschrank brummt in einem Frequenzbereich, der Hunde in einem Radius von 300 Metern unruhig macht.
- Die Butter ist inzwischen so hart, dass man damit Nägel einschlagen könnte (getestet an der Wohnungstür des Nachbarn, der übrigens auch schuld ist).
- Im Gemüsefach wächst etwas, das aussieht wie ein kleiner Wald. Ich habe es „Schimmelwald Nationalpark“ getauft und einen Eintritt von 2 Euro pro Blick verlangt. Bisher kam niemand.
Experten (also ich selbst nach drei Bier) sagen: Die Globalisierung ist schuld. Früher gab es nur deutsche Kühlschränke. Die waren ehrlich. Die gingen kaputt, wenn sie kaputt gehen wollten, und nicht, weil irgendein Chip aus Taiwan denkt, er müsse „smart“ sein. Heute steckt in jedem Kühlschrank mehr Elektronik als in der Mondlandefähre von 1969. Und die Mondlandefähre ist wenigstens auf dem Mond gelandet. Mein Kühlschrank landet nur noch in der Mülltonne – theoretisch.
Was tun?
Option A: Den Kühlschrank behalten und ihn als Kunstobjekt an die documenta verkaufen. Arbeitstitel: „Stillleben mit abgelaufenem Milchprodukt und existenzieller Krise“.
Option B: Einen neuen kaufen. Aber dann muss ich ins Möbelhaus. Und im Möbelhaus gibt es Menschen. Und Menschen fragen: „Brauchen Sie Hilfe?“ – die schlimmste Frage der Menschheit nach „Hast du schon gewählt?“.
Ich habe mich für Option C entschieden: Ich stelle den Kühlschrank einfach ab und lebe ab jetzt wie ein Eskimo. Nur ohne Schnee. Und ohne Fisch. Und mit deutlich mehr Schimmel.
Ende der Durchsage.
Wer diesen Artikel bis hierher gelesen hat, hat mein tiefstes Mitgefühl verdient. Und vielleicht auch ein frisches Joghurt.
