Von Blondbabe, ooha.de – für eine bessere, möglichst absurde Welt
22. September 2026
Es gibt Menschen, die zu allem eine Meinung haben.
Nicht irgendeine.
Eine felsenfeste. Unerschütterliche. In Beton gegossene Meinung.
Und sie liegen damit fast immer falsch.
Das allein wäre noch erträglich.
Das Problem beginnt, wenn genau diese Menschen durch schieres, unerbittliches Auftreten in Führungspositionen gespült werden.
Sie reden lauter als andere.
Sie wiederholen sich hartnäckiger.
Sie zweifeln nie.
Und irgendwann nicken die anderen. Aus Erschöpfung.
So entsteht der kategorische Idiot.
Die Anatomie des Phänomens
Der kategorische Idiot kennt keine Nuancen.
Er kennt nur Wahrheiten.
Seine Wahrheiten.
Ob Wirtschaft, Klima, Krieg, Ernährung oder die richtige Soße auf dem Döner – er hat die Antwort.
Sofort.
Mit der inneren Sicherheit eines Propheten und der Faktenlage eines Betrunkenen um 3 Uhr nachts.
Während normale Menschen noch abwägen, hat er bereits geurteilt.
Während andere noch lesen, hat er bereits gepostet.
Während Mustafa in Lichtenberg noch das Messer schärft, hat der kategorische Idiot schon erklärt, warum der Döner eigentlich abgeschafft gehört.
Und weil er nie zweifelt, wirkt er stark.
Weil er nie zweifelt, folgt man ihm.
Bis der Abgrund kommt.
Der Weg nach oben
Leistungen braucht er nicht.
Kenntnisse schon gar nicht.
Was er braucht, ist Präsenz.
Dauerpräsenz.
Überpräsenz.
Er ist auf jeder Sitzung.
In jeder Diskussion.
Unter jedem Beitrag.
Immer mit der gleichen unerschütterlichen Miene:
„Ich weiß es besser.“
Irgendwann geben die anderen nach.
Nicht, weil sie überzeugt sind.
Sondern weil sie keine Kraft mehr haben, gegen eine Wand aus Selbstgewissheit zu rennen.
So landet der kategorische Idiot in der Führungsetage.
Als Abteilungsleiter.
Als Vorstand.
Als Minister.
Als selbsternannter Vordenker.
Und dann führt er.
Geradeaus.
In den Abgrund.
Die Gefolgschaft
Das Tragische ist nicht der Idiot selbst.
Das Tragische ist die Gefolgschaft.
Menschen, die eigentlich zweifeln könnten.
Die eigentlich nachdenken könnten.
Die aber die Erleichterung genießen, endlich jemandem folgen zu dürfen, der „Bescheid weiß“.
Sie übernehmen die felsenfesten Meinungen.
Sie verteidigen sie.
Sie greifen Kritiker an.
Und wenn alles zusammenbricht, schauen sie sich ratlos um und fragen:
„Wie konnte das passieren?“
Mustafa in Lichtenberg würde dazu nur sagen:
„Ais cemnac.“
Du bist schwach.
Und extra Soße draufgeben.
Aus Barmherzigkeit.
Die einzige Gegenmaßnahme
Es gibt keine Diskussion mit dem kategorischen Idioten.
Es gibt nur eine Frage, die ihn entlarvt:
„Bist du dir wirklich sicher?“
Wenn er mit „Ja“ antwortet – und das tut er immer –
dann weiß man genug.
Dann geht man.
Am besten zu DOENERPUNKT.
Bestellt mit allem.
Und erinnert sich, dass Zweifel keine Schwäche ist.
Sondern die letzte verbliebene Form von Intelligenz.
Ooha. Der kategorische Idiot führt.
Der Rest stürzt.
— Blondbabe für ooha.de

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