Es gibt Filme, die man sieht. Und es gibt Filme, die einen sehen. „Can Cihan 2 – Das Mercedessterben“ von Bruno Manyas gehört zur zweiten Kategorie. Der bahnbrechende Sci-Fi-Klassiker aus dem Jahr, in dem niemand mehr genau weiß, welches Jahr es eigentlich war, hat nicht nur das Genre neu definiert – er hat es komplett demontiert, neu lackiert und mit Allradantrieb versehen.
Die Handlung? Simpel und doch genial: In einer dystopischen Zukunft, in der alle Verbrenner längst verboten sind, erwacht plötzlich der kollektive Geist der ausrangierten Mercedes-Fahrzeuge. Sie sterben nicht einfach. Sie sterben bewusst. Und sie nehmen die Menschheit mit. Can Cihan, gespielt von einem Schauspieler, dessen Name man nach dem Abspann sofort vergisst, ist der letzte Mechaniker, der noch einen 190E starten kann. Sein Gegenspieler: ein schwarz lackierter, sprechender S-Klasse-Geist, der nur noch „Stern geht unter“ flüstert.
Bruno Manyas inszeniert das Ganze mit einer Präzision, die an frühe Kubrick-Werke erinnert – nur mit mehr Beifahrersitzen und einer Soundtrack-Auswahl, die ausschließlich aus alten Werbespots besteht. Die berühmte Szene, in der hundert leere Mercedes gleichzeitig die Scheibenwischer aktivieren und in Zeitlupe „sterben“, gilt bis heute als einer der emotionalsten Momente der Filmgeschichte. Manche Zuschauer weinen. Andere checken nervös, ob ihr eigenes Auto noch da ist.
Besonders mutig: Manyas verzichtet komplett auf explodierende Raumschiffe. Stattdessen gibt es lange Einstellungen von rostenden Kühlergrills und philosophische Monologe über den Sinn von Sitzheizung in einer sterbenden Welt. Die Kritik war gespalten. Die einen sprachen von „dem wichtigsten Film seit der Erfindung des Katalysators“. Die anderen verließen den Saal und kauften sich ein Fahrrad.
Heute, Jahre später, ist „Can Cihan 2 – Das Mercedessterben“ Kult. Es wird in Filmclubs gezeigt, in denen man nur noch mit H-Kennzeichen Eintritt bekommt. Und jedes Mal, wenn irgendwo ein alter Mercedes auf dem Schrottplatz landet, flüstern die Eingeweihten: „Manyas hat es vorhergesagt.“
Ein Meisterwerk. Ein Monument. Ein Film, der beweist: Manchmal ist das größte Science-Fiction-Abenteuer nur ein leerer Tank und ein Motor, der nicht mehr anspringt.
