Sport [1]: Deutschland-USA Spielanalyse [2]

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Rolf Gagnic: Hurra, wir leben noch, steht heute in einer wichtigen Boulevardzeitung (nicht Bild!). Ging es wirklich um Leben und Tod?



Netzer: Um Leben und Tod vielleicht nicht gerade, aber um Sein oder Nichtsein.



Rolf Gagnic: Also jemand sein in Sachen Fußball?



Netzer: Sie sagen es: Hätten wir gegen diese Mannschaft aus den USA so schlecht ausgesehen wie gegen Italien, dann wäre das Bild des deutschen Fußballs in zu starke Schieflage geraten und damit unweigerlich zu Bruch gegangen.



Rolf Gagnic: Wieso? Die USA sind doch das mächtigste Land auf der Erde. Darf man sich gegen die keine Niederlage erlauben?
Netzer: Herr Gagnic, ich zweifle langsam an ihrem Fußballsachverstand. In den USA, da spielen sie Rugby und Baseball. Fußball, wie wir es kennen, steht bei denen überhaupt nicht auf der Tagesordnung. Die Tore, die sie beim American Football aufgebaut haben sind etwa so groß wie bei uns der gesamte 16-meter Raum. Fußball, wie wir es spielen, also Soccer, das machen nun wirklich nur die, die es im American Football, oder im Baseball zu nichts bringen. Fußball gilt in den USA als unschön, viele Amerikaner finden diesen Sport einfach schwul.



Rolf Gagnic: Und dann hatten die Amis auch 8 Stammspieler nicht mit dabei.



Netzer: Das ist richtig. Wir haben gestern gegen eine US-B-Auswahl 4:1 gewonnen. Hätten wir das nicht getan, wäre der deutsche Fußball am Ende, so haben wir noch eine Chance uns an den eigenen Haaren wieder aus dem Sumpf zu ziehen.



Rolf Gagnic: Bild schreibt, Klinsi darf wieder Grinsi.



Netzer: Das ist ja überhaupt das Beste. Erst hatte die Zeitung es ihm verboten und jetzt ist es wieder erlaubt. Das erinnert mich alles ein bisschen an Timm Thaler, der sein Lachen an den bösen Baron verkaufte. Je mehr sich die Bildzeitung ihrer Medienautokratie bewusst ist, desto mehr schaltet und waltet sie im Stile eines unüberwindlichen nach Lust, Laune und Intrigen regierenden Universalherrschers. Die deutsche Politik und den deutschen Ball kann sie jedenfalls treten wohin sie will. Das Volk rennt gutgläubig hinterher.



Rolf Gagnic: Sind die Deutschen zu gutgläubig?



Netzer: Nun, das ist auch die Zeit in der wir leben. Es täte jedem einzelnen gut, sich auch mal ein eigenes Urteil zu bilden, aber wegen der totalen Medienpräsenz, die Meinungen am Fließband produziert und an den Mann bringt, tun sich viele schwer damit. Dadurch kommt es zur Symbiose von Medien und Konsumenten. Die einen ziehen die Läuse an wie Motten das Licht, und die anderen picken sie ihnen aus dem Fell.
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