 Wie meine Oma schon sagte: Früher war alles besser! Irgendwie komme ich mit der Welt nicht mehr klar. Vor einigen Monaten noch hatte man Gesprächsstoff ohne Ende. Da war dieser böse Mr. Bush. Da gab es den Terrorfürsten Bin Laden. Es gab Saddam Hussein. In Deutschland gab es Schröder und Fischer, und alles war einem so gut vertraut.
Es wurde vieles heiß gekocht, aber es konnte nichts anbrennen. Und nun? Nun haben wir eine völlig konturlose, verschwommene Welt. Jeder kann mit jedem, und keiner kann mit keinem. Herr Bush scheint von der Bildfläche verschwunden. Atombomben im Iran! Na und? Bin Laden meldet sich alle paar Monate mit ein paar philosophischen Sentenzen. Anschläge, Fehlanzeige. Friedensangebote, haufenweise. Selbst die Naturkatastrophen werden unkonkret. Früher gab es zünftige Überschwemmungen, dann musste man anpacken, und alles war wieder geregelt. Heute gibt es H5N1, und keiner weiß genau was das bedeutet. Wird die gesamt Vogelwelt vom Himmel verschwinden? Was wird dann aus all den Vogelflugdeutern? Oder wird H5N1 mutieren? Wird aus der Vogelgrippe eine Menschenpest? Oder eine Katzenpest? Katzen waren mir ja schon immer suspekt.
 Und dann diese neue Bundesregierung. Es tut mir Leid, aber ich sehe da nichts. Wo ist sie nur die vor Tatendrang strotzende Frau Merkel aus Oppositionszeiten, stets kämpferisch und immer mit giftiger Zunge? Abgetaucht. Das Ruhekissen der Amtszeit, wunderbar, da kann man endlich alle Fünfe gerade sein lassen und alle Viere von sich strecken, vier lange Jahre lang. Das erinnert mich irgendwie an unseren Bundestrainer Klinsmann. Einen Amtsantritt mit Pauken und Trompeten hatte der. Alles beim DFB wurde umgebaut so wie es ihm passt und nun? Wir zählen schon die Sekunden bis zur WM und der ist wieder abgetaucht, und mit ihm die letzte Bastion des deutschen Ehrgefühls, der deutsche Fußballpatriotismus.
Und auch Steinmeier, Müntefering, von der Leyen und wie sie alle heißen. Wortkarg und mit stumpfer Miene wird ein bisschen an den Phänomenen des Alltag herumkommentiert, das war es.
Wie soll jetzt alles werden? Am liebsten würde man das Rad der Geschichte ein wenig zurückdrehen. Man könnte Schröder und Fischer große Geschenke machen und fragen, ob sie die Kanzlerschaft nicht noch einmal übernehmen würden. Schröder hatte doch selbst noch in der Elefantenrunde nach der Wahl behauptet –mit mir an der Spitze wird regiert, und eine Kanzlerin Merkel? Pah, man müsse die Kirche doch im Dorf lassen-. Alle haben ihn da für einen betrunkenen Bodybuilder gehalten. Doch bereits heute nach 100 Tagen Merkel und Co müssen wir feststellen: Er hatte Recht, und wir wollten es nicht wahr haben. Schröder, wir lieben dich! Bitte komm zurück. Dann wird bestimmt alles wieder besser.
|