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Sport

Sport: Deutschland-Italien Spielanalyse

Eingereicht von c2net am 05. Mär 2006 - 20:36 Uhr

Rolf Gagnic: Das war schon ein starkes Stück.



Netzer: Das sehe ich auch so. Unsere Manschaft hat gespielt, als ob wir nur Bankspieler auf dem Platz gehabt hätten.



Rolf Gagnic: Wir hatten nur Bankspieler auf dem Platz.



Netzer: Ja, das stimmt: Unsere Nationalspieler sind in ihren Vereinen nur zweite Wahl, bei einigen von ihnen hat schon ganz offensichtlich der Muskelschwund zugepackt. Auch mit der Orientierung auf dem Platz scheint es zu hapern: -Auf welches Tor spielen wir eigentlich?-, - was machen die Männer in den andersfarbigen Trikots hier?- sind wohl Fragen, die den Spielern durch die Köpfe schießen.
Rolf Gagnic: Vielleicht braucht Klinsmann noch mehr Fachpersonal für die psychische Unterstützung der Spieler, gerade auch der Bankspieler.



Netzer: Das ist ein sehr guter Einwand. Natürlich hat ein Bankspieler viel mehr Leerlauf und Zeit sich über Gott und die Welt Gedanken zu machen. Aber ein wichtiger, ein Hauptgedanke, den ein Bankspieler immer, mal mehr , mal weniger vordergründig hat ist -warum spiele ich eigentlich nicht? Bin ich so schlecht? Und da müssten die Klinsmänner meineserachtens angreifen. Das geht nur über Fachleute, da braucht man gutes Personal, das müssen Leute sein, die sich in eine verkümmerte Spielerseele sehr gut hineinversetzen können, um sie dann von Grund auf zu sanieren und dann mit einer guten Portion Selbstbewusstsein wieder auf die Beine zu stellen, um sie dann mit breiter Brust aufspielen zu lassen. Aber das ist nicht leicht und ich wiederhole mich, aber ich muss das so in aller Deutlichkeit sagen. Ich weiss nicht, ob wir das jetzt noch schaffen können.



Rolf Gagnic: Es läuft uns jetzt so allmählich auch die Zeit davon.



Netzer: Sie sagen es. Wir haben nicht einmal mehr 100 Tage bis zum Eröffnungsspiel.



Rolf Gagnic: Aber was können wir tun, was sind die Alternativen? Ich habe so leicht den Eindruck, als ob wir nun die einzige Manschaft, die zum Großteil aus Bankspielern besteht, bei dieser WM sind, und entschuldigen sie bitte den Vergleich: Es kommt mir so vor als sollten Sportler der Paralympics es schaffen bei der -richtigen- Olympiade einen Blumentopf zu gewinnen.



Netzer: Das ist richtig, was sie sagen, und es ist unmöglich. Man kann jetzt auch nicht einen Seelenklemptner auf die Bankspieler ansetzen. Eine Therapie in dem Bereich geht meistens länger als 100 Tage, oft sogar ein Leben lang.



Rolf Gagnic:

Wie oft waren sie in ihrer Karriere auf der Bank?



Netzer: Offen gestanden war ich sehr oft auf der Bank. Früher wesentlich häufiger als heute, allerdings zum Geld abheben.



Rolf Gagnic: Ha Ha.



Netzer: Und das hat mir nicht geschadet. Wer Geld einnimmt, sollte auch Geld ausgeben, und sie sehen, ich bin immer noch nicht Pleite.



Rolf Gagnic: Wie können wir die Pleite im anstehenden Länderspiel gegen die USA noch vermeiden?



Netzer: Klinsmann ist ja bereits wieder in den USA, wahrscheinlich nicht wie alle denken, um dem mittlerweile offen ausgetragenen medialen Hass gegen seine Person zu entfliehen, sondern um die Spieler der USA im eigenen Land unter die Lupe zu nehmen. Ob das was nützt, bleibt abzuwarten. Falls die USA gegen unsere Truppe gewinnen wird das auch kein Beinbruch sein. Klinsmann wird sagen -ich habe es euch doch immer gesagt, da wo ich herkomme, da weiss man auch wie Fußball gespielt wird, wir müssen das nur noch besser anwenden und die nötigen Automatismen entwickeln, so wie beim Confederations Cup.



Rolf Gagnic: Sie meinen retrochronologisch Automatismen entwickeln?



Netzer: Ja, das könnte ein Ansatz sein. Was denken sie? Aber natürlich nicht! Das wäre natürlich der Klinsmann Ansatz, Herr Gagnic, das hat doch nichts mit Fußball zu tun.
 

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