Saddam Hussein: Sicher war es für mich nicht leicht, meine Gewohnheiten als Diktator des Irak von heute auf morgen aufzugeben. Das Palastleben, die Privilegien, da fällt was weg. Manchmal träume ich von riesigen Buffets, von Frauen, Künstlern und Gauklern, die ich mir mit einem Finger-Schnipp herbeirufen kann. Dann wache ich auf und sehe: Ich habe nichts. Das tut höllisch weh.
Ali Pansen: Herr Bin Laden: Wie sieht das bei Ihnen aus? Was bleibt einem als Getriebener vom Leben?
Bin Laden: Auch ich muss sagen, dass es teilweise anstrengend sein kann, wenn man jeden Fußtritt, den man macht, genau bedenken muss. Nur ich bin schon eine ganze Weile untergetaucht und habe mich an den Zustand gewöhnt. Das dekadente Palastleben war nie meine Sache. Ich fühlte mich schon immer wohler, mit meinen engsten Freunden und einer Ladung Raketenwerfer in den Bergen zu hausen. Hier ist die Luft einfach besser.
Ali Pansen: Ist das auf Dauer nicht trist und monoton?
Bin Laden: Ach wissen Sie, auch wir machen, wenn uns langweilig wird, den ein oder anderen Spaß: Als wir davon hörten, dass Bush zu Thanksgiving den Irak besuchen wollte, sind wir nach Las Vegas gereist, und haben uns dort ein wenig amüsiert.
Ali Pansen: Herr Hussein, waren Sie da auch mit von der Partie?

Saddam Hussein: Momentan fühle ich mich wohler, wenn ich weiß, dass sich über meiner Schädeldecke noch eine 30 Meter dicke Stahlschicht befindet.
Bin Laden: Herr Hussein ist noch etwas unsicher, aber wir werden ihm dabei helfen, bald wieder ein normales Leben zu führen.
Ali Pansen: Wie stehen Sie zu den jüngsten Anschlägen in Istanbul. Waren das weitere Volltreffer im Kampf gegen Amerika und seine Verbündete?
Bin Laden: Die Bombenplatzer von Istanbul zeigen, dass bei uns noch gearbeitet wird. Wir sind nicht besonders stolz drauf. Das ist halt passiert, und weiter.
Ali Pansen: Die westliche Welt wurde jedenfalls aufgeschreckt. Viele sprechen von einer anhaltenden Dimension des Terrors. Die Bushrechnung, nach der jeder tote Terrorist einer weniger auf der Rechnung ist, wird in Frage gestellt.
Bin Laden: Und das zu Recht. Seit dem Beginn des Irakkriegs stehen bei uns die Telefone nicht mehr still. Wenn ich allen Bewerbungen für Selbstmordattentate in aller Welt entsprechen würde, hätte unser Planet wahrscheinlich schon eine neue Umlaufbahn zur Sonne. Da ist ein riesiger Zulauf von allen muslimischen Gruppen der Welt spürbar. Das macht wirklich Freude. Andererseits müssen wir die neuen Kräfte erst sortieren und uns genau überlegen, wie wir sie einsetzen. Das braucht Zeit.
Saddam Hussein: Die haben wir auch, im Gegensatz zu den Amis.
Ali Pansen: Herr Hussein: Was glauben Sie? Wo steht der Irak in zehn Jahren?
Saddam Hussein: Das ist eine schwierige Frage, die keiner beantworten kann. Ich weiß nur eines sicher: In zehn Jahren sehen wir im Irak keinen einzigen lebenden Amerikaner.
Bin Laden: Und auch nicht in Syrien, nicht in Afghanistan und nicht in Pakistan und nicht in Israel und nicht in Palästina.
Ali Pansen: Wie kommen Sie zu dieser Annahme?
Bin Laden: Wie viele Amerikaner sehen Sie heute noch in Vietnam?
Saddam Hussein: Keine.
Bin Laden: Sehen Sie: Der Nahe Osten ist und bleibt ein Pulverfass. Die Besatzer werden im Irak, wie auch in Afghanistan als Fremdkörper und künstlich installierte Geheimpolizei empfunden, die es abzustoßen gilt. Niemals wird irgendjemand mit ihnen kooperieren, außer durch Zwang und mit vorgehaltener Waffe.
Ali Pansen: Was halten Sie von Demokratie und Menschenrechten?
Bin Laden: Viele unserer Mitarbeiter leben in demokratischen Staaten, wie Deutschland, Belgien, oder den Niederlanden. Ohne diese Staaten würde es uns nicht geben, und wir fühlen uns dort auch sehr wohl. Es ist schon unglaublich, wie man zum Beispiel in Deutschland als ausländischer Student gefördert wird. Auch finde ich es toll, dass selbst arme, abgewrackte, alte Menschen oder Alkoholiker in Deutschland Geld vom Staat bekommen und damit überleben können.
Saddam Hussein: So etwas ähnliches wollte ich im Irak auch einrichten. Bei den letzten Wahlen hat mich mein Volk in meinem Amt mit 100% der Stimmen bestätigt, was dafür spricht, dass wir mit unserer Politik auf dem richtigen Weg waren. Bis die elenden Ratten aus Übersee kamen und mein Lebenswerk zerstörten.
Bin Laden: Saddam war auf einem guten Weg, und die Bereitschaft mit dem Westen zu kooperieren war groß. Bis die Ratten kamen.
Saddam Hussein: Die Schlächter aus Amerika und deren Verbündete kämpfen ohne Sinn und Verstand. Ihre Gründe sind erstunken und erlogen. Sie schlagen um sich wie ein einäugiger Zyklop, dem wir das Auge ausgestochen haben. Blindlings und ohne jeden Ansatz von Erfolg.
Ali Pansen: Leider geht unsere Sendezeit zu Ende. Ich denke, wir haben eine Menge von Ihnen gelernt und ich danke vielmals für Ihr Kommen. Für Ihre berufliche Zukunft wünsche ich Ihnen alles Gute, und passen Sie auf sich auf. Ich hoffe, Sie bald wieder als meine Gäste begrüßen zu können und wünsche noch einen guten Tag allerseits.
Saddam Hussein/ Bin Laden: Auf Wiedersehen.