 OOHA: Herr Schröder, was sagen Sie zu dem fulminanten Sieg Ihres Dauerrivalen Edmund Stoiber in Bayern.
Schröder: Guten Tag, OOHA. Zu Ihrer Frage: Lassen Sie mich es sportiv ausdrücken: Paranoia ist in der Politik weit verbreitet und da gibt es einige, wenn nicht unzählige, denen ich dringend anraten möchte und auch würde, sich dahingehend durchchecken zu lassen.
OOHA: Ist Stoibers epochaler Wahlsieg das Ergebnis paranoider Politik? Schröder: Das natürlich nicht, wenn aber zu einem guten Stück doch auch. Natürlich haben wir, die Bundesregierung und unsere Reformpolitik einen Anteil am schlechten Abschneiden der SPD in Bayern. Aber man muss doch auch die fantastische Einzelleistung des Vollblutpolitikers Stoiber sehen, der diesen gigantischen Wahlsieg anstrebte und aber vor allen Dingen auch erreichte. Das fordert Respekt und Anerkennung einerseits und aber auch meinerseits. Andererseits ist diese Spitzenleistung Stoibers auch auf den kranken, den paranoiden Menschen Stoiber zurückzuführen.
OOHA: Das leuchtet ein.
Schröder: Sehen Sie, Edmund Stoiber ist immer, ganz gleich, was er gewinnt, und wie deutlich er gewinnt, ein Verlierer. Er ist und bleibt der Verlierer der letzten Bundestagswahl. Deswegen geht auch immer seine Stimme runter und sein Gesichtsausdruck verknistert in Versteinerung, wenn er meinen Namen spricht.
OOHA: Dann wollen wir hoffen, dass die Selbsttherapie in Form von gigantischen Wahlsiegen im schönen Bayern, anschlägt, und Herr Stoiber eines Tages wieder gesundet.
Schröder: Nein, also ganz im Ernst: Ich sehe auch die Gefahr, dass Herr Stoiber die Wahlniederlage gegen mich weiterhin im eigenen Bundesland kompensiert und auch kompensieren muss, und wir dann bei den Landtagswahlen in 4 Jahren einen von allen Gnaden verabsolutierten Ministerpräsidenten Stoiber, der dann 100 Prozent aller Stimmen vereint, sehen werden.
OOHA: Es sei denn, Sie verirren sich weiter als Staatenlenker und befördern Deutschland noch weiter, als es ohnehin schon der Fall ist, ins innergalaktische Abseits.
Schröder: Sie haben recht: Die Lage in Deutschland ist sehr verzwickt und auch verworren. Egal welches Thema man heutzutage als Politiker aufgreift, es entpuppt sich schneller als einem lieb sein kann, als unlösbares Problem.
OOHA: Wie zum Beispiel?
Schröder: Nehmen wir das Rentnerproblem: Sicher ist es schön, im Alter einfach mal die Füße hochzulegen und abzuschalten. Nehmen wir das Arbeitslosenproblem: Sicher ist es schön, als Arbeitsloser einfach mal die Füße hochzulegen und abzuschalten: Nehmen wir die Studenten, die Kinder, die Jugendlichen, die Mütter. Nehmen wir die Beamten, die Behinderten, die Kranken, die Obdachlosen und nehmen wir die Politiker: Wie viel �Füße hochlegen� verträgt Deutschland?
Ich, als Politiker, sage Ihnen: Wir vertragen keine hochgelegten Füße mehr.
OOHA: Die Problemstellen sind ja mittlerweile hinreichend bekannt, wie sieht es aber mit Lösungsansätzen aus. Man hat nach gut 5 Jahren Regierungszeit den Eindruck, dass Sie und Ihre Regierung nichts aber auch gar nichts gebacken bekommen. Noch nicht einmal die Sache mit dem Dosenpfand hat geklappt. Wie will eine Regierung, die es nicht schafft ein Dosenpfand einzuführen, komplexere Probleme, wie wir sie zum Beispiel im Gesundheitswesen haben, anpacken?
Schröder: Das habe ich Ihnen doch bereits gesagt: Niemand darf in Zukunft die Füße hochlegen. Ich habe aber auch zu sagen: Die einzige Ausnahme ist die Gruppe der Politiker. Wir dürfen die Füße hochlegen, solange wir dies für richtig halten. Niemand kann uns daran hindern, da niemand eine entsprechende Entscheidungsgewalt darüber hat, außer uns Politikern selbst. Hier möchte ich ganz dem Beispiel meines Vorgängers Helmut Kohl folgen und die Füße hochlegen, solange es irgend geht.
Natürlich werden wir auch ab und zu kernige Politik machen und richtig zupacken, wenn es darum geht, gegen Hochwasser anzukämpfen, oder in Not geratene Sahara Geiseln zu befreien, oder Herrn Bush die Meinung zu geigen. Das können wir, dafür sind wir ausgebildet. Wenn es um allgemeine Fragen des menschlichen Miteinander in unserem Land geht, möchte ich allerdings nicht mehr allzu stark belästigt werden.
OOHA: Herr Bundeskanzler, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
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