 OOHA: Schön, dass Sie sich die Zeit nehmen, Herr Schmitz.
Kim Schmitz: Zeit habe ich mehr als genug.
OOHA: Herr Schmitz, 50 Millionen Euro, das ist kein Pappenstiel. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? (Anm. d. Red.: Kim Schmitz kündigte vergangene Woche an, seine Kapitalgesellschaft, die Kimvestor AG, werde die angeschlagene Käuferplattform Letsbuyit.com durch eine Investition von 50 Millionen Euro vor der Insolvenz retten.)
Kim Schmitz: Das ist eine gute Frage. Darüber habe ich mir eigentlich noch keine Gedanken gemacht. Aber ich denke, das Firmenkonzept von Letsbuyit ist schlicht genial. Damit wird sich die Kimvestor AG eine goldene Nase verdienen. OOHA: Das sehen die meisten Finanzanalysten anders. Das Businessmodell von Letsbuyit.com gehe heute nicht auf und morgen erst recht nicht. Ihr Investitionsangebot wird in der Szene nicht wirklich ernst genommen. Das Anlegermagazin „Die Telebörse“ will sich über die Kimvestor AG informiert haben. Danach ist ihre AG noch nicht einmal in das Handelsregister eingetragen. Aufsichtsräte und Vorstände seien frei erfunden. Ja, man sagt, Sie seien der Staatsanwaltschaft momentan wesentlich näher als einer Vertragsunterzeichnung mit Letsbuyit.com.
Kim Schmitz: Zum Konzept von Letsbuyit Folgendes. Ich denke, das wird jetzt eine kleine Überrraschung für Sie: Ich bin der dritte Aldi-Bruder. Ja, Sie hören richtig. Während Albrecht und Theo nicht einmal richtig schreiben und lesen gelernt haben, bin ich immer mit der Zeit gegangen. Und wenn Sie jetzt bedenken, dass meine Brüder laut Finanzmagazin „Forbes“ mittlerweile zu den reichsten Männern der Erde gehören und ich das Aldi-Prinzip in den Cyberspace transportiere, dann könnte der Groschen vielleicht auch so langsam bei Ihnen einmal fallen. Ich bin der E-Aldi, the Master of the Electronic Price Evaluation, Kim-Aldi-Vestor. Ab heute wird „Forbes“ neu geschrieben.
OOHA: Das Anlegermagazin „Die Aldi...“, ääh, „Die Telebörse“ hat Ihre Seriosität angezweifelt.
Kim Schmitz: Stellen Sie mir bitte nicht alle Fragen zweimal, sonst muss ich Sie bitten, ein oder zwei Semester auf Ihrer Journalistenschule nachzubuchen. „Die Telebörse“ ist meines Erachtens überflüssig. Schauen Sie sich die Nasen von der „Telebörse“ auf n-tv einmal einen Tag lang ununterbrochen an und es kann Ihnen wirklich übel werden. Von wegen Wirtschaftsjournalisten: „Ääh, ist der Dax nun rauf oder runtergegangen, lassen sie mich nochmal nachschauen ... Ich glaube rauf, nein runter, doch rauf, drei Punkte, ja, hier kann man es ja auch auf dem Chart sehen ...“ So oder so ähnlich können sie mit n-tv Ihr Anlegerhirn Tag für Tag aufschäumen. Und den Faxabruf nicht vergessen, wenn Sie nicht alles mitbekommen haben. Das ist doch BSE-TV in Realtime, nein, dafür habe ich wirklich keine Zeit. Ich habe zwar viel Zeit, Sie brauchen da nicht nachhaken, aber nicht dafür!
OOHA: O.k., vielleicht nochmal zu Ihrem Engagement bei Letsbuyit.com. Was raten Sie den Aktionären?
Kim Schmitz: Nehmen Sie zum Beispiel den Bernd Heller oder noch besser BSE-Oberchecker Michael M. Roos oder so ähnlich. Wurde der eigentlich abgesägt?
OOHA: Ja, der ist wohl abgesägt.
Kim Schmitz: Von wegen nicht investiert, wie es für Wirtschaftsjournalisten gesetzlich vorgeschrieben ist. Herrn Hellers Zähneklappern – Auf dass die Märkte mal wieder grün anzeigen! – kann ich ja bis in meine Wohnstube hören. Mister Schwarze Serie Mroos können wahrscheinlich nur noch ein Banküberfall oder der Schirlingsbecher retten ... (denkt nach) ... oder noch besser das n-tv-Girlscamp. Clarissa Ahlers im virtuellen Studio. Knisternde Erotik und dann rüber zu Friedhelm Busch: „Ooh Friedhelm, du bist ja so sexy und wortgewandt, ich will, dass du's mir besorgst, jetzt sofort, jaa, ich bin wild!“ Nee, sorry, da hab ich wirklich keine Zeit für.
OOHA: Und Letsbu...
Kim Schmitz: Ja, die Aktionäre. Meine lieben Aktionäre: Ich kann nur sagen: Let's buy Letsbuyit! Strong buy!
OOHA: Kursziel?
Kim Schmitz: 2000 Euro bis 2002. Mit 2002 ist das Jahr gemeint, für alle Telebörsianer zum mitschreiben.
OOHA: Herr Schmitz, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
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