Gesellschaft [1]: Arbeitslos, na und? [2]

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Friedrich Merz ans Volk: Ich selbst war viele Jahre arbeitslos. Das war echt keine schöne Zeit. Aus eigener Erfahrung kann ich sogar sagen: Man fühlt sich richtig minderwertig. Man traut sich irgendwann nicht mehr auf die Straße. Man weiß nicht, wie man es seinen Freunden erklären soll. Eines Tages wacht man auf und hat keine Freunde mehr. Dann geht einem altes deutsches Liedgut durch den Sinn: der Alkohol, des Menschen Freund, ein jeder schimpft darüber ... Und gerade diese trifft man dann betrunken und singend in der Altstadt wieder.



Tja, ein Los ist das, kein schönes ... Aber auch mich hat's getroffen!
Und dann liegst du da und bettelst um 'n paar Mark fuffzig, und alle schauen dich an, als wärst du der letzte Dreck. Das ist echt ein Scheißgefühl. Das Einzige, was dann noch hilft, ist ein guter Weinbrand oder ein klarer Schnaps. Kostet so um die sechs bis zehn Mark, kannst du kaufen bei Aldi oder Lidl. Die einzigen Menschen, bei denen ich mich damals noch ausheulen konnte, das waren meine Mama und meine Oma. Oft bin ich nachts, wenn ich meinen Nichtsnutz-Albtraum hatte, schweißgebadet aufgewacht. In diesem Traum kommen praktisch nur fleißige Handwerker vor: alles superkräftige junge Burschen, die sich gegenseitig Ziegelsteine zuwerfen und Häuser bauen, schneller wie der Blitz. Ich selbst kam in dem Traum nur als Statist vor: Immer, wenn ich mich den stahlharten Jungs nähern wollte, bekam ich einen dicken Ziegelstein an die Birne. Mein Arzt sagt heute, dass der viele Alkohol und die vielen Ziegelsteine mein Hirnkapazitäten praktisch halbiert haben.



Tja, warum erzähle ich euch das eigentlich alles? Nun, ich will euch Mut machen. Ich habe es nämlich geschafft, mich dann eines Tages doch noch aus dem Sumpf zu ziehen, am eigenen Schopf quasi. Noch um 1986 rum hatte ich die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben, weil mich die Arbeitsämter in der Umgebung kannten und ganz schön froh waren, wenn ich nach der allmonatlichen Pflichtveranstaltung wieder ging. Das war manchmal schon demütigend. Auf gut Deutsch gesagt: Ich bekam nirgends einen Job, selbst wenn ich wollte, ja, selbst wenn ich draufbezahlt hätte. Dann kam die Fügung des Schicksals und alles drehte und wendete sich zum Guten - für mich persönlich auf jeden Fall.



Tja, es war wohl so um 1986 ... Da war die CDU mit einer Veranstaltung bei uns ... ha, in unserem Dorf war vorher und nachher nie wieder so eine CDU-Veranstaltung! Und diese Leute von der CDU waren sogar mit ihrem damaligen dicken Chef da. Und das gesammelte Dorf war da, als der dicke Chef dann eine dicke Ansprache gehalten hat. Da stand das ganze Dorf Kopf: Die meisten Dorfbewohner waren in heller Aufregung und hatten etliche Kisten mit Eiern und Tomaten mitgebracht, die sie dann auf den Redner warfen.



Tja, der Dicke meinte dann jedenfalls irgendwann in seiner Ansprache, dass die CDU eine große Partei sei, und jeder, der die CDU unterstützen wolle, dies tun könne. Und da hat es bei mir einfach Klack gemacht. Ich bin da hin, und die haben mich genommen. Die haben mir Mut gemacht und haben gesagt, ich könne in meinem Leben alles erreichen, ich müsse es nur wollen. Und das tue ich jetzt. Vielleicht werde ich ja auch eines Tages wie der Dicke in irgendeinem Dorf eine große Rede halten und damit einem Menschen aus der Patsche helfen, oder? Ach, Papperlapapp, ich halte ja schon jetzt große Reden!
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