
Rudolf Scharping im OOHA Interview: OOHA: Herr Verteidigungsminister, die albanischen UCK-Separatisten feuern seit Tagen auf die westmazedonische Stadt Tetovo. Dort ist ein deutsches KFOR-Kontingent mit 2.500 Mann stationiert. Sind unsere Jungs in Gefahr?
Scharping: Wir nehmen die Situation selbstverständlich sehr ernst. Wir sehen auch, dass diese Kampfhandlungen für die Truppe eine ungeheure Belastung sind und haben deshalb bereits 1.200 Mann aus der Kampfzone in ruhigere Gebiete zurückgezogen. Der Rest ist stark verschanzt und wird nächste Woche verlegt.
OOHA: Die deutsche Öffentlichkeit fragt sich natürlich, warum 2.500 unserer schwer bewaffneten Jungs von einem Bataillion mit Badelatschen und Jagdgewehren ausgerüsteter Rebellen vertrieben werden kann.
Scharping: "Vertrieben" ist sicherlich der falsche Ausdruck. Analog zur Nato-Vorwärtsverteidigung ist das so eine Art Rückwärtsangriff. Außerdem kann sich das kein Mensch hier in Deutschland vorstellen: Tetovo ist für viele unserer Rekruten die Hölle. Dauernd wird geschossen, vorgestern wurde sogar fast jemand verletzt.
OOHA: Fast?
Scharping: Um Haaresbreite ging die Kugel an einem unserer Soldaten vorbei. Als das passierte, gab es eine richtige Panikstimmung in der Truppe. Wir haben mehrere Psychotherapeuten runtergeschickt, um die traumatisierten Soldaten zu betreuen.
OOHA: Ohne jetzt den Bellizisten raushängen zu lassen, aber es soll ja häufiger vorkommen, dass in Kriegen geschossen wird.
Scharping: Ich habe größtes Verständnis für die Sorgen und Nöte unserer Soldaten vor Ort. Viele der Rekruten sind seit Wochen getrennt von ihren Müttern in einem wilden, fremden Land mit ungewaschenen Menschen. Manche können nicht schlafen, sie weinen jede Nacht vor Angst und Heimweh. Ein paar bekommen unkontrollierbare Panikattacken.
OOHA: So wie vorletzte Woche im Südkosovo, als drei Jugendliche die deutschen Wachen vor einem Bundeswehr-Munitionslager mit Schneebällen vertrieben haben und das Lager danach ausräumten?
Scharping: So etwas nehmen wir natürlich sehr ernst. Wir sind der festen Überzeugung, dass so etwas nicht vorkommen darf. Wir prüfen gerade, ob wir Polizisten oder BGS-Beamte zum Schutz vor den Stützpunkten postieren sollen.
OOHA: Warum können sich die Bundis nicht selbst verteidigen?
Scharping: Wie Sie sicher wissen, dürfen wir den Jungs keine scharfe Waffen in die Hände drücken. So eine durchschnittliche Kompanie besitzt inklusive Minenräumhund einen Gesamt-IQ von rund 85. Mit scharfen Waffen haben die sich im Nu aus Versehen selbst ausradiert.
OOHA: Ist das Rekrutenmaterial wirklich so schlecht?
Scharping: Na ja, unter uns Betschwestern: Wer sich eigenständig die Schuhe binden kann, macht in Deutschland ja dann doch eher Zivildienst oder T 5.
OOHA: Insofern, wenn da paar Soldaten erschossen werden ...
Scharping: Richtig! Jetzt mal off-the-record und unter uns: Rein sportlich betrachtet sehe ich das unter dem Aspekt "Survival of the fittest". Aber das ist natürlich meine ganz persönliche Meinung. Na gut, mal gucken, wie viele wieder heimkommen von den Foliengrillern.
OOHA: ...
Scharping: Wie ich dieses Memmenpack hasse. Wissen Sie, damals, zu den goldenen Zeiten des deutschen Militärwesens, da hätte es das nicht gegeben. Mein Opa war ja in Stalingrad dabei. Der lacht sich fast seinen künstlichen Darmausgang raus, wenn er die heutigen Soldaten sieht. Stalingrad, das waren noch Zeiten! Da hat der Russe ja erst einmal einen Satz heiße Ohren bekommen ... Ach ja! ... Und in der zweiten Runde waren wir dann dran: Der Russe kesselte uns ein und räucherte uns aus. Wir haben aber auch verdammt gute Nehmerqualitäten bewiesen: 200.000 Tote in paar Wochen. Zähne zusammengebissen und wie ein Mann verreckt. Einfach mal ins Gras beißen. Das kann man diesen Streichelzoo-Soldaten von heute ja nicht mehr zumuten.
OOHA: Wir danken Ihnen für das Gespräch, Herr Verteidigungsminister.