 Minister Fischer im Interview: OOHA: Guten Morgen, Herr Fischer.
Fischer: Mahlzeit.
OOHA: Herr Fischer, nach dem Parteitag in Rostock zu urteilen, scheinen Sie mit ihrer Partei allmählich am Ziel: Von der friedliebenden, welt- und menschenfreundlichen Sonnenscheinpartei, haben Sie sich in gut drei Jahren Regierungszeit zur aggressiven, mörderischen, kampfeslustigen und zerstörungswilligen Kriegspartei gemausert. Wieviel Opportunismus verträgt der Wähler?
Fischer: Opportunismus? Glauben Sie mir, dieses Wort kann ich schon gar nicht mehr hören. Jeder sieht doch, daß wir handeln mußten. Es gab auf den 11. September niemals eine andere Antwort als die der Gewalt. Vergleichen Sie das Problem mit der Pest, mit einer schrecklichen Ameisen- oder Rattenplage. Eine Ameisenkolonie quer durch Ihre Wohnung etwa bekämpfen Sie idealerweise, indem Sie das ganze Haus wegsprengen. Natürlich können Sie auch jede Ameise einzeln fragen, ob sie bitte damit aufhören könnte, zu nerven. Aber nicht mit den Grünen. Wir haben es mit Terror zu tun. Terror bekämpfen, das bedeutet, ich wiederhole mich gerne, flächendeckend zuschlagen und alles ausrotten, was anscheinend mit dem Terror zu tun hat. Denken Sie an Ihren Zahnarzt: Der hört auch immer erst dann auf, wenn Karies und Baktus besiegt sind.
OOHA: Wenn wir bei dem Vergleich zwischen muslimischen Plagegeistern und dem Gebiß eines Zahnarztpatienten bleiben wollen: Wie schlecht schätzen Sie den Zustand des Gebißes ein, und wie hoch sind die Heilungschancen?
Fischer: Was ist denn das für ein Vergleich? Ein kaputtes Gebiß, das rottet gemütlich vor sich hin. Bei der Al Quaida zum Beispiel haben wir es mit bis auf die Zähne bewaffneten Top-Terroristen zu tun. Mein lieber Mann... da wird ganz gerne auch mal zurückgeschossen...
OOHA: Schon klar, daß Zähne nicht zurückschiessen, wenn der Zahnarzt den Bohrer ansetzt. Der Vergleich kam schließlich von Ihnen.
Fischer: Das stimmt. Stellen wir uns also vor, das weltweite Terrornetz fanatischer Muslime wäre ein kaputtes Gebiß: Oh oh, das sieht wirklich nicht gut aus. Ob man da von Gebiß noch sprechen kann, wäre eine berechtigte Frage. Da treten schon faulende Dämpfe aus, bevor der Patient seinen Mund geöffnet hat, wenn er seinen Mund überhaupt noch geöffnet bekommt. Da müssen Sie dann versuchen, den Mund mit einer Brechstange aufzukeilen. Vergessen Sie aber nicht, sich vorher eine Gasmaske aufzusetzen und ihre Assistentin in das Wartezimmer zu befördern.
OOHA: Zustand des Gebißes also eher schlecht. Wie sieht es mit den Heilungschancen aus?
Fischer: Nun ja, schwierige Frage. Der Patient hat sehr wahrscheinlich auch noch Kehlkopfkrebs im Endstadium. Da können Sie wirklich nicht mehr viel machen. Wie gesagt, da muß man flächendeckend gründliche Arbeit leisten. Alles rausreißen und dann ein solides künstliches Gebiß einsetzen.
OOHA: Hört sich schlüssig an.
Fischer: Das denken Sie, aber das Problem ist weitreichender. Sehr wahrscheinlich hat der eine Patient mit dem „Ground Zero“ im Mund das halbe Wartezimmer angesteckt. Jetzt müssen Sie da auch noch alle Keime abtöten. Wir haben es mit einem vielschichtigen Problem zu tun, das man nicht unterschätzen darf.
OOHA: Kritiker meinen, daß der Haß der arabischen Welt auf Amerika, nach den Bombardements auf Afghanistan, nur noch weiter anwachsen wird. Womöglich können die in Afghanistan lebenden Anhänger der Taliban wie der AL Quaida rückstandslos zerstört werden. Vielleicht gelingt es auch Herrn Bin Laden zu fangen und ihn an den Marterpfahl zu stellen. Nur scheinen sich die Terroristen nicht nur in Afghanistan aufzuhalten. Die Attentäter vom 11. September lebten in Deutschland. Das Netzwerk der Terroristen umspannt den gesamten Erdball. Muß man nicht auch über einen intelligenten Weg, den Terrorismus zu bekämpfen, nachdenken?
Fischer: Das ist eine gute Frage, mit der ich mich eigentlich noch nicht wirklich beschäftigt habe. Als Politiker müssen Sie leider an mehreren Fronten kämpfen, und man kann sich nicht immer auf alles gleichzeitig konzentrieren. Wenn ich unsere Partner in Amerika richtig verstanden habe, müssen wir jetzt erst mal alle Länder, die Terroristen beherbergen und ausbilden, flächendeckend bombardieren. Im eigenen Land müssen wir natürlich ein wenig gezielter vorgehen. Nur weil in Hamburg drei der vier Attentäter bis kurz vor dem Anschlag gelebt haben, können wir ja nicht gleich Hamburg mit einer Ladung Splitterbomben angreifen. Da würde uns doch der Wähler jedes Vertrauen entziehen. Aber in Afghanistan, warum nicht? Da leben schließlich keine Deutschen. Und die paar Zivilisten, die da ums Leben kommen –unter uns, das sind doch eh „arme Schweine“.
OOHA: Dürfen wir Ihnen zum Abschluß die Frage stellen, wie es um Ihr Gebiß bestellt ist?
Fischer: Morgens beim Zähne putzen habe ich in letzter Zeit immer so leichtes Zahnfleischbluten und seit neustem spüre ich meine Weisheitszähne: Die wollen durch. Ansonsten, keine Beschwerden!
OOHA: Herr Bundesaußenminister, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
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